Über RECCO®

Das RECCO®-Rettungssystem wurde speziell für die Lawinenrettung entwickelt und wird heute von über 800 Einsatzkräften weltweit zur Suche nach Lawinenopfern eingesetzt. Die Einsatzkräfte schätzen das RECCO®-System, da die Technologie die Suche deutlich schneller macht und somit viel Zeit spart. Denn Zeit ist der Feind eines jeden Lawinenopfers.

Das zweiteilige System besteht aus dem RECCO®-Detektor, der von den Einsatzkräften eingesetzt wird, und den RECCO®-Reflektoren, die in Bekleidung, Helmen, Protektoren oder Schuhen hunderter Outdoor-Marken integriert sind. Der Reflektor ist immer am Körper, man benötigt für ihn weder Fachwissen noch Batterien, damit er funktioniert. Er ist immer "an" und bereit.

RECCO®-Reflektoren verhindern keine Lawinen, sie garantieren auch nicht das Überleben im Falle einer Verschüttung. Aber sie ermöglichen es den Einsatzkräften, den Verschütteten genau zu orten.

Geschichte

Die Geschichte von RECCO® begann am 30. Dezember 1973 mit einem tragischen Lawinenunglück in Åre, Schweden. Magnus Granhed, der Gründer von RECCO®, saß im Skilift zum Mörvikshummeln, als er ein furchterregendes Geräusch hörte. Eine Lawine war genau über die sehr steilen Pisten des Svartberget abgegangen.

Was folgte, war unglaubliches Chaos. Niemand wusste, wer oder wie viele Menschen von der Lawine mitgerissen wurden. „Wir begannen damit, mit unseren Skistöcken zu suchen", erinnert sich Magnus. Später kamen Helfer mit Sonden und Lawinenhunden, aber zu jener Zeit waren dies die einzigen Hilfsmittel, die es gab. Magnus fühlt heute noch die „unglaubliche Hilflosigkeit, mit einem Stock im Schnee zu stochern" – und das in einem Lawinenstreifen so groß wie zwei Fußballfelder.

Als die zwei verschütteten Skifahrer endlich gefunden wurden, hatte die Suche schon Stunden gedauert und beide Lawinenopfer konnten nur noch tot geborgen werden. In diesem Moment beschloss Magnus, eine bessere Methode zu entwickeln, um Verschüttete zu finden.

Aufgrund des Unfalls in Åre dachte er über die Möglichkeiten eines elektronischen Lokalisierungsgeräts für Verschüttete nach. Granhed hatte gerade erst sein Wissenschaftsstudium erfolgreich abgeschlossen und wandte sich an Professor Bengt Enander vom Institut für Elektromagnetische Theorie am Royal Institute of Technology in Stockholm. 

Nach einigen Tests mussten sie einsehen, dass die Suche mit Wärmebildkameras nicht funktionierte und LVS-Geräte nur eingeschränkt geeignet waren. Also versuchten sie es mit einem passiven Reflektor. Enanders Team benötigte zwei weitere Jahre, bis die Arbeit in einer Doktorarbeit und der Basis für das RECCO®-System resultierte.

Das ursprüngliche Problem wurde mit harmonischem Radar gelöst. Wie heute auch, bestand der Reflektor aus einer Diode, die eine Oberschwingung auslöst, wenn das Radarsignal des Suchgerätes auf sie trifft. Das zurückkehrende Signal ist jedoch viel schwächer als das gesendete, und darin bestand die große Herausforderung des Projektes. Es ging darum, herauszufinden, wie man das starke Suchsignal herausfiltern konnte, um das schwächere Signal des Reflektors überhaupt zu bemerken. Anfänglich betrug die Reichweite im freien Raum lediglich fünf Meter, heute dagegen sind mehr als 200 Meter mit dem RECCO®-System möglich.

Das Entwicklungsteam baute und testete den allerersten Prototypen im Winter 1980/81 und RECCO® stellte 1983 den ersten kommerziellen Detektor vor. Er wog damals ganze 16 Kilogramm – das Gewicht des aktuellen Modells beträgt weniger als ein Kilo.

Die erste Lebendrettung eines Lawinenverschütteten unter Verwendung des RECCO®-Systems fand 1987 in Lenzerheide, Schweiz, statt.

In Bekleidung integrierte Reflektoren 

Aufgrund der Tatsache, dass sich immer mehr Wintersportgebiete – derzeit sind es mehr als 700 Gebiete und Einsatzteams weltweit – mit RECCO®-Detektoren ausstatten, werden mittlerweile von mehr als 200 Herstellern von Bekleidung, Ski- und Snowboardstiefeln, Protektoren und Helmen Reflektoren in Produkte integriert. Nicht nur die Suchausrüstung wurde ständig weiterentwickelt und verbessert und ist somit bereits in der neunten Generation angekommen. Auch die Reflektoren durchliefen mehrere Entwicklungsstadien. 30 Jahre Arbeit stecken in den heute extrem kompakten Reflektoren.

Trotz des frühen Erfolgs wurde RECCO® erst in den 1990er Jahren von Rettungsdiensten akzeptiert. Tatkräftige Hilfe kam dabei von der Mobilfunkindustrie. Mitte bis Ende der 1990er Jahre wuchs die Nachfrage nach Mobiltelefonen extrem an. Das Ergebnis waren kleinere und billigere Komponenten. Diese Entwicklung führte gleichzeitig auch zu deutlich kleineren und leichteren RECCO®-Detektoren, die einfacher von den Rettungskräften einzusetzen waren.